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Donnerstag, 17. Februar 2011
Leistungskühe und geringqualifizierte Minister(innen)
gwynn, 14:45h
Ich meine, es ist doch eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die wir Menschen zulassen, dass Löhne derartig weit auseinanderliegen. Da verdient der eine Mensch in einer Stunde 1000 Euro und ein anderer 3,50 Euro. Ich würde mich schämen, wenn ich unter solchen Voraussetzungen 1000 Euro verdienen würde in der Stunde!! Schämen sollten sich solche Menschen, wenn sie zulassen, dass ihre Mitmenschen bei harter Arbeit und gleichem Zeitaufwand nur 3,50 Euro verdienen!
Viele Politiker begründen Niedriglöhne mit dem Wort „geringqualifizierte Arbeit“. Dabei handelt es sich jedoch häufig um wichtige, um ganz unentbehrliche Arbeit, wie Putzen oder Maschinen bedienen oder Arbeit in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft und vieles mehr. Diese Tätigkeiten gewährleisten die Grundversorgung der Menschen (Landwirtschaft) und halten die Ordnung und Hygiene in der Menschheit aufrecht (Putzen, Haushalt) oder produzieren die Güter (Maschinen bedienen). Es ist nicht einzusehen oder verständlich, dass Menschen von solcher Arbeit nicht leben können, weil sie so schlecht bezahlt wird.
Dass viele Politiker diese niedrige Lohnhöhe mit „geringqualifizierter“ Tätigkeit begründen, ist eine Dreistigkeit.
Daher will ich jetzt mal von meiner „gerinqualifizierten“ Tätigkeit berichten, für die es einen Stundenlohn von ca. 5 Euro gab.
Es handelte sich um einen Melker-Job in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb. Die Melkanlage befand sich außerhalb des Dorfes im freien Feld, anfangs mit über 100 Milchkühen, nach einigen Jahren über 160 Kühe, da der Landwirt expandieren musste um zu überleben; die Kühe wurden im 3-Schichtsystem (also 3mal in 24 Std.) von je einer Person mit einer halbautomatischen Anlage gemolken. Das heißt, jedes Melkgerät wurde per Hand an jede Zitze (nennt man dort „Strich“) angehängt. Wenn es Probleme gab oder Entscheidungen anlagen, die den eigenen Kompetenzbereich überstiegen, musst man dies erkennen und den Landwirt per Handy kontaktieren, ansonsten war man dort meist allein. Wenn der Landwirt nicht erreichbar war, musste man irgendwie entscheiden und weitermachen, denn bei 3 Melkschichten in 24 Stunden und bis zu über 150 Kühen gibt es zeitlich nicht viel Spielraum.
Zu dieser ''geringqualifizierten'' Tätigkeit gehörte:
Das Bedienen der Maschinen bei der Vor- und Nachbereitung, der Melkanlage, der Spülanlage, der computerisierten Anzeigen an den Melkständen. D.h. Rohre und Schläuche umstellen, verschrauben, Knöpfe und Schalter am Tank, an der Spülmaschine bedienen.
Das Treiben der bis 80 Kühe starken Kuhherden aus den einzelnen Freilaufställen und Liegekojen in den hinteren Wartebereich. Misten der Liegekojen.
Bedienen des elektrischen Kuhschiebers und der elektrischen Anlage für den Einlass der Kühe in die Melkstände und den Ausgang.
Putzen der Euter und zweimaliges Anmelken mit der Hand vor dem Anhängen der Melkgeräte. Erkennen von Entzündungen, Flocken in der Milch, Krankheiten. Neu lahmende Kühe anhand ihrer Nummer notieren, kranke Kühe erkennen, melden. Erkennen, wann eine Kuh nur auf „3 Strich“, d.h. an 3 statt 4 Zitzen gemolken werden durfte.
Bei Auffälligkeiten der Milch diese nicht in den großen Tank, sondern in die Kanne melken. Schwierige Fälle erkennen und den Landwirt anrufen, damit er entscheidet. Bei noch jungen, sich wehrenden Kühen Metallbügel anlegen, damit sie einen nicht so treten, dazu eine Leiter holen um an die Kuh heran zu kommen, die auf dem erhöhten Melkgang steht. Junge Kühe, die die Milch verweigern und einen Milchstau haben, spritzen um den Milchfluss anzuregen.
Das ''Dippen'' der Zitzen nach dem Melken mit einer Jodlösung zur Desinfektion und Pflege .
Erkennen, wenn eine Kuh zu kalben beginnt. Im Extremfall Geburtshilfe leisten, wenn niemand erreichbar ist.
Von der Anzeige ablesen, welche Kuh „trocken“ steht, also nicht gemolken wird, welche Kuh „in den Eimer gemolken wird“, deren Milch also nicht in den Tank laufen darf. Erkennen, wenn ausversehen der Bulle mit in den Melkstand gelaufen ist, diesen besser nicht zu melken versuchen.
Beim Holen der nächsten Kuhgruppe alle Gatter verschließen oder umstellen, so dass die richtigen Gänge frei bzw. verschlossen sind und die Kühe nicht auf dem Rückweg in den falschen Stall laufen, was eine logistische Katastrophe ist, da es lang dauert, sie dann zwischen den anderen Kühen wieder herauszufinden und einzeln wegzutreiben.
Erkennen, was zu tun ist, wenn diverse Maschinen, Pumpen etc. nicht funktionieren. Nach dem Melken die Gänge und Melkstände gründlich mit Wasserstrahlern säubern, die Putzlappen in die Waschmaschine bringen, diese programmieren, anstellen. Die Melkgeräte einzeln einhängen, verstöpseln, den Tank verschließen, Zuleitung abschrauben, bei der Spülung anschließen, alle Geräte auf Spülung umstellen. Für den Landwirt, bzw. den nächsten Melker Notizen über kranke Kühe, unklare Fälle, etc. hinterlegen.
Nochmal in den Bereich der Freilaufställe gehen, die Gatter verschließen.
Okay soviel zum Tätigkeitsprofil und Verantwortungsbereich ''geringqualifizierter'' Tätigkeit.
Wenn ich bedenke, wie viele Menschen mit Milch und Käse, Joghurt und Butter aus nur einer einzigen Melkschicht versorgt werden können, ist es mir ein sehr großes Rätsel, warum die Helfer in der Landwirtschaft und auch die guten Kühe derartig ausgebeutet werden. Beiden, sowohl den Kühen als auch den Arbeitern sollte doch viel mehr Wertschätzung entgegen gebracht werden, die sich im Falle der Menschen auch im Entgelt äußern muss.
Ja gut, das reicht erst mal, obwohl es noch nicht alles ist. Jedenfalls glaube ich, dass jede Arbeit, wenn man sie gut machen will oder muss, heute ein qualifiziertes Vorgehen beinhaltet, so dass ich den Begriff „geringqualifiziert“ ablehne.
Ausnahme sind vielleicht tatsächlich viele Politiker, denen als Minister(innen) Bereiche unterstellt werden, in denen sie keinerlei Erfahrungen oder Ausbildungen vorzuweisen haben. Das ist doch der eigentliche Skandal! Die sind doch tatsächlich geringqualifiziert.
Daher würde ich vorschlagen, Frau von der Leyen erst einmal eine gründliche 3jährige Ausbildung als Hartz IV Empfängerin machen zu lassen. Solang sie diese Maßnahme nicht absolviert, sollte man ihr einen Lohn für Geringqualifizierte zahlen, etwas 4 Euro die Stunde, wie es nach ihrer eigenen Denkungsart dann ja angemessen wäre. Schließlich weist sie für Ihren derzeitigen Job als Ministerin für den Arbeits(losen)markt weder eigene Erfahrungen noch eine Qualifikation vor. So hat sie unlängst in einer Talkshow geäußert, zum Glück kenne sie keinen Hartz IV Empfänger persönlich im Freundeskreis. Wie kann sie dann für diese Klientel zuständig sein, wenn sie keinen Betroffenen und keine ungeschminkten Erfahrungsberichte kennt?
Viele Politiker begründen Niedriglöhne mit dem Wort „geringqualifizierte Arbeit“. Dabei handelt es sich jedoch häufig um wichtige, um ganz unentbehrliche Arbeit, wie Putzen oder Maschinen bedienen oder Arbeit in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft und vieles mehr. Diese Tätigkeiten gewährleisten die Grundversorgung der Menschen (Landwirtschaft) und halten die Ordnung und Hygiene in der Menschheit aufrecht (Putzen, Haushalt) oder produzieren die Güter (Maschinen bedienen). Es ist nicht einzusehen oder verständlich, dass Menschen von solcher Arbeit nicht leben können, weil sie so schlecht bezahlt wird.
Dass viele Politiker diese niedrige Lohnhöhe mit „geringqualifizierter“ Tätigkeit begründen, ist eine Dreistigkeit.
Daher will ich jetzt mal von meiner „gerinqualifizierten“ Tätigkeit berichten, für die es einen Stundenlohn von ca. 5 Euro gab.
Es handelte sich um einen Melker-Job in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb. Die Melkanlage befand sich außerhalb des Dorfes im freien Feld, anfangs mit über 100 Milchkühen, nach einigen Jahren über 160 Kühe, da der Landwirt expandieren musste um zu überleben; die Kühe wurden im 3-Schichtsystem (also 3mal in 24 Std.) von je einer Person mit einer halbautomatischen Anlage gemolken. Das heißt, jedes Melkgerät wurde per Hand an jede Zitze (nennt man dort „Strich“) angehängt. Wenn es Probleme gab oder Entscheidungen anlagen, die den eigenen Kompetenzbereich überstiegen, musst man dies erkennen und den Landwirt per Handy kontaktieren, ansonsten war man dort meist allein. Wenn der Landwirt nicht erreichbar war, musste man irgendwie entscheiden und weitermachen, denn bei 3 Melkschichten in 24 Stunden und bis zu über 150 Kühen gibt es zeitlich nicht viel Spielraum.
Zu dieser ''geringqualifizierten'' Tätigkeit gehörte:
Das Bedienen der Maschinen bei der Vor- und Nachbereitung, der Melkanlage, der Spülanlage, der computerisierten Anzeigen an den Melkständen. D.h. Rohre und Schläuche umstellen, verschrauben, Knöpfe und Schalter am Tank, an der Spülmaschine bedienen.
Das Treiben der bis 80 Kühe starken Kuhherden aus den einzelnen Freilaufställen und Liegekojen in den hinteren Wartebereich. Misten der Liegekojen.
Bedienen des elektrischen Kuhschiebers und der elektrischen Anlage für den Einlass der Kühe in die Melkstände und den Ausgang.
Putzen der Euter und zweimaliges Anmelken mit der Hand vor dem Anhängen der Melkgeräte. Erkennen von Entzündungen, Flocken in der Milch, Krankheiten. Neu lahmende Kühe anhand ihrer Nummer notieren, kranke Kühe erkennen, melden. Erkennen, wann eine Kuh nur auf „3 Strich“, d.h. an 3 statt 4 Zitzen gemolken werden durfte.
Bei Auffälligkeiten der Milch diese nicht in den großen Tank, sondern in die Kanne melken. Schwierige Fälle erkennen und den Landwirt anrufen, damit er entscheidet. Bei noch jungen, sich wehrenden Kühen Metallbügel anlegen, damit sie einen nicht so treten, dazu eine Leiter holen um an die Kuh heran zu kommen, die auf dem erhöhten Melkgang steht. Junge Kühe, die die Milch verweigern und einen Milchstau haben, spritzen um den Milchfluss anzuregen.
Das ''Dippen'' der Zitzen nach dem Melken mit einer Jodlösung zur Desinfektion und Pflege .
Erkennen, wenn eine Kuh zu kalben beginnt. Im Extremfall Geburtshilfe leisten, wenn niemand erreichbar ist.
Von der Anzeige ablesen, welche Kuh „trocken“ steht, also nicht gemolken wird, welche Kuh „in den Eimer gemolken wird“, deren Milch also nicht in den Tank laufen darf. Erkennen, wenn ausversehen der Bulle mit in den Melkstand gelaufen ist, diesen besser nicht zu melken versuchen.
Beim Holen der nächsten Kuhgruppe alle Gatter verschließen oder umstellen, so dass die richtigen Gänge frei bzw. verschlossen sind und die Kühe nicht auf dem Rückweg in den falschen Stall laufen, was eine logistische Katastrophe ist, da es lang dauert, sie dann zwischen den anderen Kühen wieder herauszufinden und einzeln wegzutreiben.
Erkennen, was zu tun ist, wenn diverse Maschinen, Pumpen etc. nicht funktionieren. Nach dem Melken die Gänge und Melkstände gründlich mit Wasserstrahlern säubern, die Putzlappen in die Waschmaschine bringen, diese programmieren, anstellen. Die Melkgeräte einzeln einhängen, verstöpseln, den Tank verschließen, Zuleitung abschrauben, bei der Spülung anschließen, alle Geräte auf Spülung umstellen. Für den Landwirt, bzw. den nächsten Melker Notizen über kranke Kühe, unklare Fälle, etc. hinterlegen.
Nochmal in den Bereich der Freilaufställe gehen, die Gatter verschließen.
Okay soviel zum Tätigkeitsprofil und Verantwortungsbereich ''geringqualifizierter'' Tätigkeit.
Wenn ich bedenke, wie viele Menschen mit Milch und Käse, Joghurt und Butter aus nur einer einzigen Melkschicht versorgt werden können, ist es mir ein sehr großes Rätsel, warum die Helfer in der Landwirtschaft und auch die guten Kühe derartig ausgebeutet werden. Beiden, sowohl den Kühen als auch den Arbeitern sollte doch viel mehr Wertschätzung entgegen gebracht werden, die sich im Falle der Menschen auch im Entgelt äußern muss.
Ja gut, das reicht erst mal, obwohl es noch nicht alles ist. Jedenfalls glaube ich, dass jede Arbeit, wenn man sie gut machen will oder muss, heute ein qualifiziertes Vorgehen beinhaltet, so dass ich den Begriff „geringqualifiziert“ ablehne.
Ausnahme sind vielleicht tatsächlich viele Politiker, denen als Minister(innen) Bereiche unterstellt werden, in denen sie keinerlei Erfahrungen oder Ausbildungen vorzuweisen haben. Das ist doch der eigentliche Skandal! Die sind doch tatsächlich geringqualifiziert.
Daher würde ich vorschlagen, Frau von der Leyen erst einmal eine gründliche 3jährige Ausbildung als Hartz IV Empfängerin machen zu lassen. Solang sie diese Maßnahme nicht absolviert, sollte man ihr einen Lohn für Geringqualifizierte zahlen, etwas 4 Euro die Stunde, wie es nach ihrer eigenen Denkungsart dann ja angemessen wäre. Schließlich weist sie für Ihren derzeitigen Job als Ministerin für den Arbeits(losen)markt weder eigene Erfahrungen noch eine Qualifikation vor. So hat sie unlängst in einer Talkshow geäußert, zum Glück kenne sie keinen Hartz IV Empfänger persönlich im Freundeskreis. Wie kann sie dann für diese Klientel zuständig sein, wenn sie keinen Betroffenen und keine ungeschminkten Erfahrungsberichte kennt?
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